Eskalation der Gewalt in Ägypten

Die Ankündigung von Präsident Mubarak, bis zu den Neuwahlen im Amt bleiben zu wollen, zeigen erste Wirkung: In Kairo liefern sich Anhänger und Gegner von Präsident Mubarak Strassenschlachten. Laut ZDF wurden 350 Personen wurden verletzt. Ein Soldat in Zivilkleidung stürzte von einer Strassenüberführung und kam dabei zu Tode. 4000 Anhänger von Mubaraks Nationaldemokratischer Partei strömten auf den Tahrir Platz, um die Gegner von Mubarak zu vertreiben. Anscheinend waren auch Journalisten Ziel der Angriffe.

Auf Kamelen und Pferden ritten Anhänger von Mubarak in die Menge und schlugen mit Knüppeln und Eisenstangen wahllos auf Regimekritiker ein. Einige Schlägertrupps waren auch mit Messern und sogar Molotov-Cocktails bewaffnet, andere bewarfen sich aus nächster Nähe mit Steinen. Die Gegner von Mubarak werfen der NDP vor, dass sie bezahlte Schläger und sogar Polizisten in Zivil angeheuert habe. Allerdings wurde dies von offizieller Seite dementiert.

Die Armee rief dazu auf weitere Demonstrationen zu unterlassen. und hielt sich bisher auffallend zurück, allerdings wurde gemeldet, dass Warnschüsse abgeben wurden. Mit ein Grund für die Eskalation dürften die Massenentlassungen in den Gefängnissen sein. Mitlerweile sind tausende gefährliche Häftlinge auf den Strassen. Der Oppositionsführer Mohammed El Baradei hielt gestern eine Ansprache an die Demonstranten.

Die ägyptische Polizei geht brutal gegen die eigenen Landsleute vor (Bild: cryptome.org)

„Euch gehört diese Revolution. Ihr seid die Zukunft“, sagte er am Abend vor rund 5000 Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Die zentrale Forderung des Protests ist das Ende des Regimes und „der Beginn eines neuen Ägyptens, in dem jeder Ägypter in Rechtschaffenheit, Freiheit und Würde leben kann.“

In einem Interview mit der BBC zeigte sich El Baradei zutiefst besorgt. „Die Pro Mubarak-Demonstranten sind ein  Haufen Schläger, ich habe Sorge dass es in einem Blutbad endet.“ Unberechtigt ist seine Sorge wohl kaum, bedenkt man, dass es in den Gefängnissen Abu Saabel ausserhalb von Kairo und in der Oasenstadt Fajum zu Massenausbrüchen kam. Tausende Häftlinge sollen auf freiem Fuss sein.

Die Frage ist, wer hinter diesen Ausbrüchen steckt. Es gab Gerüchte, dass die Regierung selbst dahinstersteckt und damit beabsichtigt, die Lage weiter eskalieren zu lassen. Dazu passt auch, dass der arabische Fernsehsender Al Jazeera mitlerweile verboten wurde. Die Krönung stellte dann noch die vorübergehende Abschaltung des letzten Internetproviders dar.

Kommentar:

Das sind die letzten hilflosen Versuche einer Regierung die schon Geschichte ist, noch zu retten was schon längst verloren ist. Die Rufe nach Mubaraks Rücktritt werden indes immer lauter. Auch die USA fordert den Präsidenten „zu raschem Handeln“ auf. Die westlichen Staaten sind jetzt gefordert, diese Gewalteskalation zu verurteilen, sich auf die Seite der Bevölkerung zu stellen und von Mubarak im Klartext den Rücktritt zu fordern!

Links zum Thema:

Denkmaschinen-Blog: Kommentar zur Protestwelle in der arabischen Welt

Crowdvoice.org Emergency Law and Police brutality in Egypt

Tages Anzeiger: Proteste in Kairo fordern drei Todesopfer

Huffingtonpost.com: Egyptian museum on fire

N24: Hunderte bei Straßenschlachten verletzt

Zeit.de: ausende Häftlinge aus Gefängnissen geflohen

Freitag.de: Manchmal genügt nur ein Funke

This entry was posted in Allgemein, Netzpolitik und Zensur and tagged , . Bookmark the permalink.

3 Antwort zu to Eskalation der Gewalt in Ägypten

  1. Pingback: Revolution in Ägypten | Denkmaschinen-Blog

  2. Pingback: Blogger wird in Ägypten zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt | Denkmaschinen-Blog

  3. Pingback: 192.168.l.l

Schreib einen Kommentar