Revolution in Ägypten

Seit dem 25. Januar wird in Kairo täglich demonstriert. Nachdem sich ein Marktfahrer wegen einer verweigerten Bewilligung in einer Verzweiflungstat selbst verbrannte, kocht in Ägypten die Volksseele. Das war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit Jahrzenten leben die Ägypter in einer Diktatur.

Lange schien es, dass niemand die Macht von Mubarak gefährden könnte. Dass nach seinem Tod sein Sohn seine Amtgeschäfte übernimmt, war ausgemachte Sache. Seit aber hunderte Demonstranten ums Leben gekommen sind, ist dieses Szenario Makulatur und der Präsident kann eigentlich nur noch zurücktreten. Je länger er wartet, umso schlimmer für ihn. Aber das scheint der Mann noch nicht begriffen zu haben.

Sein Gegner, Mohammed El Baradei, promovierter Jurist und Führer der Opposition, fordert von Präsident Mubarak den sofortigen Rücktritt. Genauso der Grossteil der Ägyptischen Bevölkerung. Gestern hat das Militär eine Erklärung verlesen, indem erklärt wurde dass sie Bevölkerung lediglich schützen möchten und dass sie keinerlei Gewalt ausüben würden. Das Militär hat sich bis jetzt zurückgehalten.

Die Ägyptische Regierung schreckte auch nicht davor zurück, den Zugang zum Internet kurzerhand lahmzulegen. Inzwischen soll das Netz teilweise wieder funktionieren. Google hat einen Dienst eingerichtet, der es ermöglicht durch das Übersetzen von Sprachnachrichten Twitter Nachrichten zu generieren. Viele behalfen sich mit Analogmodems und überwanden auf diese Weise die Netzsperren.

Das Volk will dass Mubarak geht (Bild: AP)

US-Präsident Obama forderte von Mubarak die Machtübergabe. Gleichzeitig reiste ein US-Regierungsbeamter ohne eine Erklärung abzugeben wieder ab. Ein Teil der US-Diplomaten wurde aus Ägypten abgezogen. Der Oppositionsführer Mohammed ElBaradei ist derweil ein gefragter Mann, die Fernsehstationen rennen im die Bude ein. Am Laufband gibt er Interviews.

Während Präsident Mubarak schweigt, wird das Land derweil schon vorsorglich aufgeteilt und Pläne für die Zukunft geschmiedet. Einige wollen aus Ägypten eine westliche Demokratie machen, andere wiederum wünschen sich einen sozialistisch geprägten Wohlfahrtsstaat. Die Muslimbruderschaft, die mit einem Wähleranteil von 30% hat Pläne für einen islamischen Staat geschmiedet. Bleibt nur zu hoffen, dass die gemässigten Kräfte die Oberhand behalten.

Demonstrationen auf dem Tahrir PlatzBild: Cryptome

Die Angst vor islamistischen Kräften ist auch in Ägypten selbst gross. Wenn sich das Militär wie versprochen zurückhält, kann auch in Ägypten die Demokratie Einzug halten. Präsident Mubarak hat am Dienstagabend in einer mit Spannung erwarteten Rede bekanngegeben, dass er bei den nächsten Wahlen nicht mehr antreteten wird. Allerdings schliesst er weiterhin einen schnellen Rücktritt aus. Das klingt in unseren Ohren wie eine Verspottung des Volkswillens.

Es zeigt einmal mehr als deutlich, wie Präsident Mubarak sich der Realität verschliesst und noch deutlicher wie er als Mensch tickt. Genau wie das gleichgeschaltete Staatsfernsehen. Wer in Ägypten den Fernseher einschaltet, wähnt sich in einem anderen Land. Kein Wort von den Protesten und Demonstrationen im ganzen Land. An einigen Orten in Ägypten scheint wahrlich die Zeit irgendwann stehengeblieben zu sein. Allerdings gibt es dieses Problem auch noch anderswo auf der Welt.

Links zum Thema:

Denkmaschinen-Blog: Eskalation der Gewalt in Ägypten

Topnews.de: Ägypten schaltet Internet und Mobilfunknetze ab

Reuters: über eine Million Ägypter protestieren gegen Mubarak

Zeit.de: die Stunde des Militärs

Tageschau SF: Exil-Ägypter demonstrieren gegen Mubarak

Spiegel.de: Menschenmengen feiern Mubaraks Machtverlust

Arte: Ägypten- Risse in der Diktatur

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3 Antwort zu to Revolution in Ägypten

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