Im Test: OCZ Agility 3- SSD Nachbrenner für preisbewusste Performance-Enthusiasten

Wir waren eigentlich von Anfang an begeistert von unserem neuen Redaktionsrechner, dem Dell XPS 15z- ja wenn da bloss nicht die zwar schnelle aber lärmige Festplatte, eine Western Digital Scorpio Black, mit 500 GB ( 7200 RPM) wäre. Viele Tester, auch wir dachten am Anfang dass, hier ein lauter und lärmiger Lüfter unentwegt seine lärmigen Dienste verrichtet- aber nein! Die Festplatte ist/war der Übeltäter und kürzlich wurde der absolute Nervhöhepunkt überschritten- die sowieso schon substantiell angegriffene Fest Nervplatte (S.M.A.R.T Fitness nach 8 Monaten: 0 Points..) musste schleunigst einer vernünftigen Solid State Disk weichen.

OCZ Agility 3- der Name ist Programm (Bild: Denkmaschinen-Blog)

In die engere Auswahl kamen drei Modelle: die Intel SSD 520 mit 180 GB, Corsair’s Force 3 mit 240 GB und last but not least die OCX’s Agility 3, ebenfalls mit 240 GB Speicherkapazität. Nachdem wir diverse Testberichte studiert hatten, fiel uns die Wahl leicht- die Agility 3 von OCZ überzeugte als Gesamtpaket am besten. Einerseits gelang ihr das durch ihr bestechendes Preis/ Leistungsverhältnis aber auch der extrem niedrige Stromverbrauch und die sehr ordentliche Performance sprachen für sich.

Stromverbrauch der Agility 3 derzeit konkurrenzlos

Derzeit ist die OCZ Agility 3 die energiesparendendste SSD mit dem neuen Sandforce 2200 Controller und benötigt im Leerlauf nur 0.49 Watt- die OCZ Vertex 3 verfügt über denselben Controller, genehmigt sich aber mit 0.9 Watt ungefähr soviel Energie wie eine herkömmliche Festplatte! Im Test bei Notebookcheck.com brillierte das Laufwerk auch unter Last und begnügte sich mit ledigliche 1.83-3.41 Watt.

Technisch sind sich die Agility 3 und Vertex 3 übrigens ziemlich ähnlich. Beide verfügen über den Sandforce 2200 Controller und oberflächlich betrachtet sind sie sich auch bei den leistungstechnischen Eckdaten sehr ähnlich. Die Vertex 3 erreicht aber dank synchronen Flash-Chips und einer deutlich höheren Leistung pro Kanal eine höhere Performance. Langsam ist aber auch die Agility 3 deshalb keineswegs. Als Consumer SSD zwischen der High-End Vertex und der Einsteigerserie Onyx braucht sich die Agility 3 keineswegs zu verstecken, wie man auch an den Benchmarks ablesen kann. Sie liegt mit ihren 45’000 IOPs ungefähr auf dem Leistungsniveau einer Vertex 2. (50’000 IOPs.)

Benchmarks:

Disk Mark arbeitet mit unkomprimierbaren Daten. Da aber der Sandforce Controller alle Daten die auf die SSD geschrieben werden komprimiert fallen die realen Werte noch deutlich höher aus. (Schreibcache war während der Messung deaktiviert.)

So sahen die Werte mit komprimierbaren Daten direkt nach der Installation aus. Diese grossen Abweichungen sorgen oft für Verwirrung, sind bei SSDs mit Sandforce Controller aber völlig normal.

Zum Vergleich noch die Werte eines XPS 15z mit einer Festplatte. (Bild: notebookcheck.com)

 

Paradedisziplin random 4K: chancenlose Festplatten

Für uns von besonderem Interesse sind aber die Ergebnisse von 4 K und 4 K QD32. Hier ist die SSD lesend 68x schneller und auch Schreibvorgänge werden 50 mal schneller erledigt. In heutigen Betriebssystemen wird vorwiegend zufällig auf 4 Kilobyte grosse Datenblöcke zugegriffen- eine Disziplin in der jede Festplatte schlecht abschneidet, wie man an den Benchmarks unschwer erkennen kann. Exakt aus diesem Grund sind Festplatten oft so quälend langsam. Nicht so die SSD, die greift auch auf so kleine Datenblöcke parallel und praktisch ohne Verzögerung zu und erreicht ein Leistungsniveau, das keine handelsübliche Festplatte je errreichen wird.

HD Tune Extra Tests

Gerade beim Start eines Betriebssystems werden tausende kleiner (4K) Datenblöcke gelesen, die oft über die gesamte Festplatte verstreut sind. Die ständige wechselnde Kopfpositionierung einer Festplatte nimmt dabei viel Zeit in Anspruch. Einer SSDs sind solche Probleme fremd: vorher benötigte unser Notebook beim Start bis zum Windows Desktop 48 Sekunden, nun ist der Rechner nach nur 15 Sekunden einsatzbereit- auf ein gesamtes Leben gerechnet, wartet man als Festplatten-nutzer gequälter somit etwa 1 1/2 Jahre länger auf den erlösenden Startbildschirm. Wenn das kein Kaufargument ist! :)

CPU: Intel Core i5 2.3-2.9 GHz, 8 GB RAM. Alle Programme waren geschlossen, der Virenscanner deaktiviert. Energieprofil Höchstleistung, mit aktiviertem Turbo Boost

SSDs und die Windows Dienste

Im Internet findet man viele Tips und Tricks, wie man Windows (Vista/7) nach dem Einbau einer SSD am besten konfigurieren sollte. Unser Tip: die meisten dieser Tips sind Makulatur.

Beispielsweise wird oft erwähnt, man müsste nach dem Einbau einer SSD und der Installation des Betriebssystems Dienste wie Superfetch, Defrag, Ready Boot und Ready Boost (uvm.) deaktivieren. Nun, das ist vom Prinzip her richtig, da Dienste wie Superfetch bei SSDs unnötig sind. Windows Vista und 7 erkennen aber SSDs selbständig und deaktivieren diese Dienste bereits automatisch. Auch das Alignment und Trimming erledigt Windows 7 bestens, ohne dass der Nutzer eingreifen muss.

Ein Blick in die Systemsteuerung ist aber sicher nicht verkehrt und zur Kontrolle listen wir hier kurz die Dienste auf, die bei SSDs nutzlos sind und dem Laufwerk langfristig Schaden und seine Lebensdauer verkürzen.

folgende Dienste müssen bei Windows-Systemen mit SSDs deaktiviert sein:

- Superfetch (dieser Dienst wurde speziell für Festplatten implementiert und ist bei SSDs unnötig und kontraproduktiv. Positiver Nebenefffekt: nach der Deaktivierung steht dem System deutlich mehr freier Arbeitsspeicher zur Verfügung.

- Ready Boot  & Ready Boost (Boot-Defragmentierung) (Eine SSD ersetzt ca. 9-10 USB Sticks die Readyboosten und Booten ;)

- die Laufwerksdefragmentierung (Eine Defragmentierung ist bei (fast) allen SSDs unnötig und schadet der SSD völlig umsonst. Deshalb raten praktisch alle Hersteller davon ab, SSDs zu defragmentieren. Windows deaktiviert die Defragmentierung bei allen Laufwerken, die eine durchgehende Datenrate von mindestens 8 Megabyte liefern.

- der Windows Such- und Indexdienst (Windows Search.) Die Indizierung wurde eingeführt, um Suchvorgänge auf Festplatten zu beschleunigen. Der Suchzugriff auf eine SSD erfolgt aber so schnell, dass der Dienst nicht benötigt wird- also weg damit!)

Ruhezustand deaktivieren

Wir raten euch auch dazu, auf einem Rechner mit einer SSD den Ruhezustand zu deaktivieren. Einerseits spart ihr dadurch je nach Grösse des Arbeitsspeichers einige Gigabyte Plattenspeicher, andererseits werden sonst jedesmal einige Gigabyte an Daten auf die SSD geschrieben was die Lebensdauer des Laufwerks unnötig verkürzt. Den Rechner herunterzufahren dauert nur 4,5 Sekunden, der Kaltstart 15, 20 Sekunden- das Schreiben und wiedereinlesen des gesamten Arbeitsspeichers von einer SSD dauert garantiert länger, gerade bei Rechnern mit einem grossen Arbeitsspeicher von 8 GB oder mehr ist der Ruhezustand absolut sinnlos.

So deaktiviert man den Ruhezustand (Vista/7)

Öffnet dazu eine Eingabeaufforderung mit Administratorrechten und gebt folgendes Kommando ein:

powercfg C: off. Dadurch wird die Ruhezustandsdatei gelöscht. Mit dem Kommando powercfg-h on lässt sich der Ruhezustand bei Bedarf jederzeit wieder reaktivieren.

SSDs und die Auslagerungsdatei

Einen ebenfalls oft gehörten Tip ist, die Auslagerungsdatei auf SSDs zu deaktivieren. Macht Sinn würde man denken, dann gibt es weniger Schreibzugriffe  auf der SSD aber wie so oft sind die Dinge eben nicht so simpel wie sie scheinen. Microsoft empfiehlt ausdrücklich, die Auslagerungsdatei auf SSDs aktiviert zu lassen- kaum ein Laufwerkstyp eignet sich besser für die Auslagerungsdatei als eine SSD, mit ihren extrem kurzen Zugriffszeiten und ihrer konkurrenzlos hohen Leistung bei zufälligen Schreib- und Lesezugriffen. Also, gerade wer einen Rechner mit genug Arbeitsspeicher sein eigen nennt, braucht sich darüber keine Sorgen zu machen, da hier sowieso kaum (Schreib-) Zugriffe auf die Auslagerungsdatei stattfinden.

Microsoft schreibt in einem Blogeintrag zu diesem Thema folgendes:

  • Lesezugriffe auf die Pagefile.sys finden 40 x so häufig wie Schreibzugriffe statt.
  • Lesezugriffe auf die Auslagerungsdatei sind typischerweise ziemlich klein. 67 % sind weniger oder gleich 4 KB, 88! % der Zugriffe sind kleiner als 16 Kilobyte.
  • Die Schreibzugriffe auf die Auslagerungsdatei sind dagegen (relativ) gross, 62 % sind grösser oder gleich 128 Kilobyte, 45 % sind exakt 1 MB.
  • Die oft gehörte Sorge, dass eine SSD durch die Benutzung einer Auslagerungsdatei vorzeitig altert, halten wir deshalb für ABSOLUT unbegründet- hinzu kommt, dass die meisten Laufwerke sowieso nach wenigen Jahren ersetzt werden.

Fazit: der lautlose Laptop ist machbar- SSD sei dank!

Unser Fazit ist klar- die OCZ Agility 3 ist eine tolle Solid State Disk die durch eine gute Performance und einen sehr geringen Energieverbrauch besticht. Derzeit wird man kaum eine SSD mit einem besseren Preis- Leistungsverhältnis finden. Das tollste an einer SSD ist aber diese himmlische Ruhe. Einerseits ist eine SSD per se schon geräuschlos aber dank der geringeren Energieaufnahme hat sich die Akkulaufzeit um mehr als eine Stunde verlängert. Der Lüfter springt im Akkubetrieb viel seltener an und oft ist das Notebook sogar absolut geräuschlos oder anders gesagt:

Idle: 0 dB, HDD 0 dB, Last: 0 dB ;) nicht nur deshalb bekommt die  OCZ Agility 3 von uns eine klare Kaufempfehlung!

Jeder, der einmal mit einem Rechner mit SSD gearbeitet hat sagt dasselbe: “ich geb sie nicht mehr her” wir ergänzen “Ich kauf mir nie wieder eine lärmige und langsame Festplatte als Bootlaufwerk.” Das Arbeiten mit  einer SSD ist mit einer herkömmlichen Festplatte nicht zu vergleichen. Es gibt kaum Wartezeiten, das System arbeitet jederzeit sehr schnell, alle Programme werden nach kürzester Zeit geöffnet. Wenn es nicht wahr wäre, wäre es ein Traum.. aber ein guter!

Die OCZ Agility 3 ist derzeit bereits ab 60 Euro erhältlich. (60 GB)

Ebenfalls empfehlenswerte Alternativen:

Crucial CT128M4SSD2

Corsair Force 3

Samsung Series 830

Die Zukunft ist schnell, die Zukunft gehört den SSDs

Eines ist absolut sicher- den Solid State Disks gehört die Zukunft. Wir sind überzeugt, in 5 Jahren werden sie kaum mehr einen Rechner ohne SSD finden. Um das Betriebssystem und die meistbenötigten Anwendungen zu installieren benötigt man keine 500 GB SSD! Dafür reicht je nach Nutzungsprofil bereits ein Laufwerk mit 60- 128 GB. Mittlerweile sind kleinere Laufwerke schon sehr erschwinglich und man bekommt sich schon ab 100 Euro.

Weiter abwarten und Tee trinken? lieber nicht- der grosse Preissturz ist vorbei

Momentan sind immer noch viele Kunden unnötig zögerlich und warten auf weiter sinkende Preise. Wir raten dazu folgendes: der ganz grosse Preissturz bei den SSDs ist vorerst vorbei. Sie werden bei den SSDs in den nächsten Monaten sicherlich keine dramatischen Preisstürze, wie noch vor 2,3 drei Jahren erleben. Wer also eine SSD braucht, oder unbedingt haben will sollte nicht mehr zuwarten, sondern zugreifen und sich nichtg ärgern, wenn dasselbe Laufwerk in einer Woche 15 Euro weniger kostet. Das ist nun mal der Lauf der Technikwelt und wir geben euch Brief und Siegel, dass ihr den Umstieg auf eine Solid State Disk niemals bereuen werdet!

zwei Tips noch zum Schluss: Wer seine SSD noch etwas mehr schonen möchte, kann auch noch die temporären Ordner auf ein anderes Laufwerk legen- z.b. eine Ramdisk verschieben. Die bietet sich auch für superschnelle Video- oder Bildbearbeitungen an!

Wer seiner SSD liebt, sollte sie nicht zu stark füllen. Je voller eine SSD wird, desto mehr bricht, ganz ähnlich wie bei Festplatten die Performance ein, andererseits steht dem Laufwerk dann auch weniger Platz für die Fehlerkorrektur zur Verfügung denn annders als bei einer Festplatte werden “leere” Bereiche der SSD entsprechend genutzt.

Je weniger Speicher auf dem LW vorhanden ist, desto häufiger werden die noch leeren Bereiche immer wieder überschrieben. Folge: die Speicherzellen der SSD altern deutlich schneller, die Bausteine fallen dementsprechend früher aus. Deshalb sollte man auf Laufwerken mit Flash-Speicher wie SSDs, USB Sticks und auch Speicherkarten immer MINDESTENS 20 Prozent des Speichers unbenutzt lassen, damit die Speicherbausteine nicht unnötig früh ausfallen.

Bilder vom Innenleben des Dell XPS 15z (Bilder: Denkmaschinen-Blog)
Bei Dell findet man auch deutlich günstigere Modelle wie das XPS 15z- zum Beispiel gibt es die Inspirion Serie derzeit bereits ab 369 Euro!

Testberichte zur OCZ Agility 3:

Notebookcheck.com: Test OCZ Agility 3 240 GB SSD

Hardwareluxx.de: Test- OCZ Agility 3- SandForce 2200 zum günstigen Preis ?

Tweaktown.com.com: Test OCZ Agility 3 240 GB SSD Review

Anandtech.com: OCZ Agility 3 240 GB SSD Review

Weiterführende Links zum Thema Flash-Speicher und SSDs

Hardcop.com: NAND Flash Faces Off- Synchronous vs. Asynchronous

Microsoft Research/University of Wisconsin: Design Tradeoffs for SSD Performance

Department of Computer Science and Engineering San Diego- The Bleak Future of NAND Flash (PDF)

Digitimes.com:  SSD vendors set to trigger price war to force out smaller peers

Searchstorage.de: So funktionieren die blitzschnellen Speicher

Allround-PC.com: Intels Smart Response Technologie auf dem Prüfstand

Anandtech.com: The SSD Anthology- Understand SSDs and New Drives from OCZ

NAND Overview- from Memory to Systems (PDF)

Intel.com: Serial ATA- Devices Implementations recommendations

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