schlechte Arbeitsbedingungen bei Foxconn- Neuer Wein in alten Schläuchen oder echter Fortschritt ?

der Internetauftritt von Foxconn (Bild: foxconn.com)

In der Vergangenheit wurden Apple und Foxconn Electronics immer wieder vorgeworfen, ihre Mitarbeiter schlecht zu behandeln. Man versprach Besserung, erhöhte die Löhne, es wurden Programme aufgelegt damit es nicht zu weiteren Selbsttötungen kommt. Mitarbeitern des France 2 Magazins Envoyé Spécial gelang es, sich mit versteckter Kamera hinter die Kulissen zu schauen und offenbar hat sich an den vielkritisierten Arbeitsbedingungen kaum etwas geändert.

Die Produktionstrasse des iPhone 5 lief bereits auf Hochtouren, die Schlafsäle befanden sich dagegen noch im Rohbau. Es gab weder fliessend Wasser noch Elektrizität. Die lapidare Begründung der Geschäftsleitung, zeigt woher der Wind weht: Der Bau der iPhone 5 Fabriken hatte absolute Priorität, die Quartiere für die Mitarbeiter waren dagegen zweitrangig.

Suizid als letzter Ausweg

Die kürzlich gross gefeierte Lohnerhöhung auf 290 Dollar war offenbar auch nicht viel mehr als ein öffentlichkeitwirksamer „Gag“, denn den grössten Teil des Einkommens verlangt Foxconn für Unterkunft, Verpflegung und Versicherungen zurück und auch das psychologische Gutachten, dass weitere Suizide verhindern soll, geht mit 7 Dollar zu Lasten der Mitarbeiter. Für die 13 verstorbenen Arbeiter die nur noch eine Selbsttötung als Ausweg sahen kommt das alles freilich zu spät und das ist der eigentliche Skandal.

Big is not always Beautiful

Wir sehen einmal mehr, dass es (leider nicht nur) in China Firmen ohne Moral und Ethik gibt gibt, denen der Profit über alles geht, die den Menschen nur als Material, als Ressource betrachten, denn das Heer der Arbeitswilligen ist trotz der miserablen Arbeitsbedingungen in vielen Firmen beinahe unerschöpflich. Foxconn produziert 40 % aller weltweit verkauften Unterhaltungselektronikartikel Die chinesische Firma mit 1.4 Millionen Beschäftigten beliefert praktisch ausnahmslos alle bekannten IT-Firmen wie eben Apple. Die Liste der Auftragsgeber von Foxconn ist lang und liest sich wie das Who-is-Who der Branche: Apple, Amazon, Dell, Nintendo, Hewlett-Packard, Samsung, IBM, Lenovo, Motorola, Nokia, Sony, Toshiba… um nur einige zu nennen.

Umsatzentwicklung bei Foxconn von 1996-2008 (Bild: Homepage von Foxconn)

Foxconn: “Unser Unternehmen ist nicht perfekt”

Apple selbst sieht sich zu Unrecht mit den Vorwürfen kritisiert und betont einmal mehr, die Arbeitsbedingungen seien sicher und man behandle die Mitarbeiter mit Respekt. Bei Foxconn gibt man sich dagegen einsichtiger und räumt die (eigentlich) nicht wegzudiskturierenden Probleme offen ein: “Unser Unternehmen ist nicht perfekt und wir arbeiten jeden Tag daran, die Bedingungen zu verbessern. Um die Misstände endlich zu beheben hat Foxconn nun unter anderen die Nichtregierungsorganisation Fair Labor Association engangiert.

Schlusswort:

Geiz ist nicht für jeden Geil

Eine Firma muss Profit machen um zu überleben, das steht ausser Frage aber wenn für den Profit einiger weniger Millionen Menschen leiden müssen ist das schlicht unmoralisch und verwerflich. Wir als Kunden die immer alles noch billiger haben wollen tragen aber auch eine Mitverantwortung, ja Mitschuld an den derzeitigen Misere. Den wer spart nicht gern ein paar Euro ? Wenn die paar ersparten Euro aber für solche Misstände sorgen, sollte man sich ernsthaft fragen, wie geil das ist und vor allem für wen?

via Golem.de via nzz digital

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