Anschlag gegen Charlie Hèbdo – mit Terror gegen Humor

Leitartikel zu den Terroanschlägen in Frankreich:

mit Terror gegen Humor

Als interessierte Journalisten sind wir hier im Denkmaschinen-Blog natürlich an den Tagesthemen interessiert und wir verfolgen die politische Entwicklung in Europa schon seit längerer Zeit mit wachsender Sorge.

endlich wieder Frühling

Der arabische Frühling begann ja damals voller Hoffnung, doch die Geschichte nahm leider in vielen arabischen Staaten eine für viele unerwartete Wende. Die Fundamentalisten, radikalen Kräfte wurden stärker, fast der gesamte nahe Osten befand sich plötzlich im Kriegszustand.

Junge Europäer, Christen und Muslime, die mit uns zusammen aufwuchsen und sozialisiert wurden, radikalisierten sich immer mehr und reisten zur Ausbildung in Milizcamps. um schlieslich in Syrien gegen das Assad Regime zu kämpfen und in den ganzen nahen Osten und werden in Terrorcamps militärisch professionell ausgebildet.- sicherlich nicht zuletzt wegen der Untätigkeit und Unfähigkeit der politisch Verantwortlichen.

JE SUIS CHARLIE

Paris im Ausnahmezustand

Gestern morgen, der Fernseher war noch nicht warmgelaufen, erschienen die ersten Eilnachrichten, mehrere schwer bewaffnete Männer seien in die Redaktion des Pariser Magazin Charlie Hèbdo eingedrungen und erschossen mindestens 12 Menschen, 11 wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die Flucht der Täter wurde gefilmt und einer der beiden vermutlichen Täter liess dankenswerterweise seinen Personalausweis im Auto liegen, um der Polizei die Fahndung etwas zu erleichtern. Die Identität der beiden war natürlich sehr schnell klar. Es handelt sich um zwei Brüder, die in Frankreich geboren und aufgewachsen sind. Kurz darauf wurde bekannt, dass die beiden vor kurzem aus Syrien zurückkehrten, wo sie sich aktiv am Bürgerkrieg beteiligt hatten.

Heute morgen kam gleich der nächste Schock: ein weiterer Amokläufer hatte wild um sich geschossen und verletzte eine Polizistin so schwer, dass sie später ihren Verletzungen erlag. Im ganzen Land wurden von diversen selbsternannten Rächern Anschläge auf Moscheen verübt. So hat also dieses schreckliche und unmenschliche Attentat noch mehr unschuldige Opfer gefordert.

und immer wiederholt sich die Geschichte

Der Kampf der Religionen ist wieder einmal entfacht und Deutschland steht mit der Pegida Bewegung im Focus der Weltöffentlichkeit und die Bilder erinnern wohl nicht nur mich, an eine Zeit die wir eigentlich für überwunden hielten. Wieder ist Dresden der Mittelpunkt, was sich aus der Geschichte einfach erklären lässt, denn gerade die Menschen in Dresden waren im zweiten Weltkrieg stark von den Ereignissen betroffen. Dann kam die auch nie für möglich gehaltene Wende und blühende Landschaften sollten dort entstehen, wo einst all die entsetzlichen Kriegshandlungen stattfanden. Im Osten Deutschland nähert/e sich der Wohlstand dank dem Soli mehr und mehr westlichen Verhältnissen an.

Doch: trotz all der positiven Fortschritte nach der Wende gibt es in Deutschland heute ingesamt mehr Menschen und insbesondere Familien, die von Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden Armut stark betroffen sind. Die Folgen sind verheerrend, Menschen greifen aus schierer Verzweiflung zu Alkohol und Drogen um mit ihrem Leben irgendwie klar zukommen aber der Teufel lässt sich nun mal nicht mit dem Beelzebub austreiben.

Auf der Suche nach dem Sündenbock

Viele Faktoren bilden hier eine unheilige Allianz. Die Menschen haben Existenzängste, immer mehr Menschen aus anderen Staaten drängen nach Europa und die enorme Flüchtlingswelle, die derzeit im Gang ist, sorgt verständlicherweise bei vielen Menschen für Ängste und Vorurteile. Betrachten wir die Geschichte: wenn immer es wirtschaftliche Probleme oder Krisen gab, suchten viele Menschen nach einer einfachen, für sie begreifbaren Erklärung für ihre Misere. Danach beginnt die Suche nach einem Sündenbock der für all das zur Verantwortung gezogen wird.

Immer wieder traf der Volkszorn unsere jüdischen Mitmenschen, so sollen die Pest verursacht haben, indem sie heimtückisch alle Brunnen in der Stadt vergifteten. Die Finanzkrise ist natürlich auch die Alleinschuld der weltweiten zionistischen Verschwörung, die hinter unserem Rücken stattfindet. Dann bekam Deutschland eine Hartzinfark und diesmal richtete sich der Focus auf Menschen, die vermeintlich zu Unrecht Sozialleistungen beziehen, weil sie ja alle zu faul zum arbeiten sind. Dann standen plötzlich Einwanderer im Focus, die zu Unrecht Hartz 4 Leistungen beziehen und die nur das Ziel verfolgen, unsere Sozialsysteme zu plündern.

Diskussion statt Progrom

Nun sind unsere muslimischen Brüder und Schwestern also für all den weltweiten Terror verantwortlich, der Koran ruft ja angeblich zum Massenmord an uns Christen auf. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Islamkritiker den Koran wirklich gelesen haben, die sich mit der uralten, arabischen Kultur ernsthaft auseinandergesetzt haben. Ich wette mit ihnen: 7 von 10 haben noch nie auch nur eine Zeile im Koran gelesen um sich einfach mal aus erster Hand ein Bild zu machen. Viel einfacher ist es doch, einfach die gängigen Clichés aufzuschnappen und runterzubeten. Deshalb haben auch die wenigsten Kritiker wirklich handfeste Argumente für ihre Position und betreiben reine Schwarzmalerei.

Deshalb sind wir der Meinung, dass endlich ein echter Dialog unter den Kulturen und Religionen geführt werden MUSS. Wir rufen alle unsere Leser, egal welcher Konfession oder Religion dazu auf, aufeinander zu zugehen um friedlich und möglichst sachlich die vielen Fragen und Probleme miteinander zu lösen. Statt uns gegenseitig umzubringen wäre es doch angenehmer, voneinander zu lernen und neue Freundschaften zu schliessen..

Die Kluft zwischen Wahrnehmung und Wahrheit

Gerade hier im Westen herrscht immer noch das Bild eines fortschrittsfeindlichen Islams. Dabei waren es die Araber die unsere Schrift erfunden haben und auch in der Astronomie und auf vielen anderen wissenschaftlichen Gebieten waren die Araber ihrer Zeit meilenweit voraus. Um es klar festzuhalten: ohne die vielen Errungenschaften des Islams befände sich Europa wohl immer noch im „düsteren“ Mittelalter.

Laut einer Studie von Bertelsmann sind 90% der Muslime in Deutschland voll in unserer Gesellschaft integriert und damit verbunden akzeptieren sie auch unser Rechts- und Glaubenssystem. Dagegen stehen 90% Deutsche, die vor dem Islam Angst haben. Hier kommen wir der Sache langsam näher. Wir dürfen die Ängste dieser Menschen nicht in lächerliche ziehen. Was der Mensch nicht kennt macht ihm urgemäss einfach Angst.

Terror in den Köpfen

Eigentlich fürchten diese Menschen nicht den Islam selbst, sondern den Terrorkrieg der missbräuchlich, im Namen Allah’s unsere hart erkämpften Rechte und Werte abschaffen soll um ein weltumspannendes Kalifat unter „muslimlischer“ Herrschaft errichten. Das ist wahrlich eine Horrorvorstellung und löst bei vielen grosse Ängste aus. Doch bitte! bitte lassen von diesen bösartigen Menschen keine Angst einjagen und keinesfalls einschüchtern. Exakt das ist nämlich das Ziel dieser Tyrannen: so viel Angst, Unsicherheit und Schrecken zu verbreiten wie nur möglich. Keiner soll sich mehr auf die Strasse trauen, niemand soll sich mehr getrauen den Islam, geschweige denn den Propheten, zu verunglimpfen oder gar zu kritisieren.

Kunst liegt im Auge des Betrachters

Genau das machten aber unsere Kollegen vom Charlie Hèbdo. An dieser Stelle möchten wir unser tief empfundenes Mitgefühl für alle Angehörigen und Betroffenen aussprechen. Trotz eines Brandanschlags haben unsere Kollegen weitergearbeitet und sich nicht einschüchtern lassen. Als Christen können wir die Empörung der Muslime über die Mohammed Karikaturen bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen, auch wir mögen keine geschmacklosen Witze über Jesus aber damit muss ein Gläubiger umgehen können, egal welcher Religion er zugehört.

Wir haben die Karrkaturen auch gelesen und gesehen und es handelt sich klar um Satire, ja sogar Kunst die humorvoll und zugegeben offensiv auf die bestehenden Probleme des Islams hinweist. Das grösste Problem ist sicherlich die mangelnde Kritikfähigkeit radikaler Muslime, sonst wäre diese Tat nie passiert- doch dieses Problem betrifft die christliche Religionsgemeinde mindestens genauso stark.

Integration schwergemacht

Aus diesem Grund appellieren wir für mehr Offenheit im zwischenmenschlichen Umgang. Gehen sie offen auf andere Menschen zu, wagen sie etwas und bitte schweigen sie nicht, wenn ihnen etwas unter den Nägeln brennt- ausser die Intuition gebietet ihnen zu schweigen. Viele Ausländer beklagen sich, dass es oft sehr schwierig ist, mit den Eingeborenen Freundschaften zu knüpfen. Ja und dann kommen wir, werfen ihnen vor, sie wollen sich nicht integrieren…Wie soll das denn bitteschön funktionieren, wenn sie von fast allen Seiten nur Ablehnung oder gar Verachtung ernten??

Aus eigener Erfahrung können wir ihnen versichern: die allermeisten Menschen aus anderen Ländern und Kulturen sind friedliebende, liebenswürdige Menschen wie du und ich, von denen wir viel lernen können. Wir wünschen uns endlich einen echten, weltweiten Dialog zwischen den Kulturen und Völkern. Insbesondere die Muslime in Deutschland können hier viel zur Beruhigung der angespannten Lage beitragen, indem sie mit Menschen die für Pegida protestieren das sachliche Gespräch suchen- bevor die Lage noch weiter eskaliert.

Bitte, hören sie genau hin und versuchen sie, die Ängste, Probleme der Menschen zu verstehen. Räumen wir die vielen Missverständnisse und Vorurteile ein- für allemal aus dem Weg. Wir alle haben es in der Hand, wie sich unsere Welt weiterentwickelt. Keiner ist zu klein oder gross, um etwas zu verändern!

Trotz aller Ängste, Probleme, Krisen und Kriege die derzeit unsere Heimat Erde erschüttern, ist die Lage nicht hoffnungslos. Die Welt lässt sich nicht einfach in Gut oder Böse, Schwarz oder Weiss einteilen, nein. Es gibt noch viele Farben, unzählige Farben, Schattierungen und Grautöne dazwischen. Nichtsdestotrotz gehören alle Kulturen und Völker doch nur zu einer einzigen Spezies. So haben wir es alle gemeinsam in der Hand die vielen gesellschaftlichen Probleme zu lösen, jeder an seinem bestimmten Platz.
Wir sind es unseren Kindern schuldig.

„Ratio judex debit esse omnium, quesund in homine.“

„Nicht der Glaube, die Vernunft muss Richter sein über alles was im Menschen ist.“

Anselm von Canterbury, seines Zeichens Franziskanermönch.

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